Teneriffa-Panorama "Humboldt-Blick", fotografiert von Wladyslaw Sojka. Quelle: Wikipedia, veröffentlicht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.



Mit dem Wohnmobil auf die Kanarischen Inseln Teil 1

01. Die Anreise von Mittelbiberach bis Portimao
Endlich ist es soweit. Nach einem wegen meiner Knieprobleme verkorksten Sommer und Herbst 2010 starten wir nun auf die Kanaren. Auf den Kanaren war zwar außer mir schon jeder, aber bestimmt nicht mit dem Wohnmobil. Obwohl die Kanaren touristisch voll erschlossen sind und dort das ganze Jahr über Saison ist, sehe ich in der Reise doch eine gewisse Herausforderung, weil es gewiss keine Infrastruktur für Wohnmobile gibt. Stellplätze oder gar Campingplätze, wie wir sie vom Festland her gewohnt sind, wird es wohl nicht geben. Ich konnte jedenfalls bisher bei meinen Recherchen im Internet und anderen Informationsquellen nichts entsprechendes finden. Und ob das WoMo-Fahren auf den gebirgigen Inseln mit den engen und kurvenreichen Straßen ein Vergnügen sein wird, bleibt abzuwarten. Wir lassen uns einfach überraschen. Doch wie kommt man mit dem Wohnmobil auf die Kanaren? Die Kanarische Reederei Naviera Armas bietet seit Mitte Juni 2008 ein Fährverbindung von Portugal auf die Kanaren an. Die Armas Fähre fährt Sonntagnachmittags vom Hafen Portimao in Portugal ab. Die Fahrt geht über Madeira (Funchal). Dort hat man 10 Stunden Aufenthalt und somit Zeit, die Stadt zu besichtigen. Man kommt dann dienstags auf den Kanaren, d.h. in Santa Cruz de Tenerife, an. Zurück gehts jeden Freitag von Teneriffa über Las Palmas an die Südspitze Portugals zum Hafen Portimao an der Algarve. Am Samstag wird ein Zwischenstopp in Madeira eingelegt. Die Fähre von Armas ist deutlich billiger (halb so teuer) als die Fähre der Trasmediterranea / Acciona, die von Cadiz in Spanien nach Las Palmas Gran Canaria bzw. nach Teneriffa fährt. Die einfache Überfahrt für zwei Personen bei Unterbringung in einer Zweibettkabine kostet bei der Naviera Armas samt WoMo 675 EURO (pro Person 150 EURO und WoMo 375 EURO). Die Überfahrt haben wir am 18.01.2011 auf der Website von Naviera Armas (www.navieraarmas.com) online gebucht und per VISA bezahlt. Die Tickets konnten wir kurz darauf selbst ausdrucken.
Aber zunächst müssen erst einmal die rund 3.000 Kilometer bis Portimao bewältigt werden. Da wir angesichts des anhaltenden Winters nicht durch Zentral-Frankreich (Lyon – Bordeaux) und Zentral-Spanien (San Sebastian – Burgos – Salamanca) fahren wollten, haben wir uns für die etwas längere Variante durchs Rhônetal und dann der Mittelmeerküste entlang entschieden, in der Hoffnung auf Sonne und mildere Temperaturen.
Nachdem wir den Stress mit der Packerei, die schon gestern begann, endlich hinter uns hatten, sind wir um 12 Uhr losgefahren. Dabei dachten wir voller Wehmut an die Zeit zurück, als wir noch im ^WoMo gewohnt haben, und wir immer alles dabei hatten und wir somit jederzeit startbereit waren. Jetzt muss man vor der Abfahrt erst noch tagelang die Wohnung reinigen, den Kühlschrank abtauen usw. Da das Leitungswasser in Mittelbiberach sehr kalkhaltig ist, wollten wir damit nicht unseren Frischwassertank befüllen. Wir steuerten daher zunächst den Stellplatz in Tettnang an, von dem wir wussten, dass dort auch im Winter das Wasser nicht abgestellt wird. Bevor wir uns versorgten, aßen wir beim Forster zu Mittag und tranken beim Frick unseren Cappuccino. Unsere Lebensmittelvorräte frischten wir in Eriskirch auf beim Lidl und im Kaufland. Und einen neuen Haarschnitt ließ ich mir auch noch verpassen. Über Friedrichshafen, Meersburg und Birnau fuhren wir nach Stockach und stellten uns für 10 EURO inclusive Strom bei Caramobil auf den Platz. Wie gut, dass wir über Tettnang gefahren sind, denn wegen Frostgefahr gab es hier kein Wasser. Der Stellplatz gehört übrigens nicht mehr zu Caramobil, sondern zum benachbarten Campingplatz „Papiermühle“. Daher muss man sich auch dort anmelden. Den Abend verbrachten wir mit TV (Wer wird Millionär?) und mit Laptop.
Nach dem Aufstehen um 9:00 Uhr und nach dem Frühstück rangierten wir das Fahrzeug zum relativ weit entfernten Sanitärgebäude, wo wir geduscht haben. Anschließend machten wir uns auf die Suche nach Autogas, denn unser Vorrat ging langsam aber sicher zur Neige. In Stockach in der Radolfzellerstraße füllten wir bei AGIP unsere Gastankflaschen. Danach ging es bei trübem und kaltem Wetter zügig weiter über die Grenze bei Thayingen und dann durch die Schweiz bis Genf. Ab Bern wurden wir mit Sonnenschein verwöhnt. Nachdem wir die Grenze zu Frankreich passiert hatten, war es an der Zeit, sich nach einem Stellplatz umzusehen. Im Kopf hatten wir einen Übernachtungsplatz in einem kleinen Ort unweit der Autobahn (A40). Aber wir erinnerten uns nicht mehr an den Namen des Ortes und auch nicht an die Ausfahrt, die zu dem Ort führt. Doch instinktiv fanden wir auf Anhieb die Route (Ausfahrt A40/A404) und den Übernachtungsplatz, auf dem wir im Jahr 2009 fast auf den Tag genau (28.01.2009) bei ähnlicher Wetterlage und bei minus drei Grad standen. Am Abend ist der Hebel des Schiebers der Thetford-Cassette abgebrochen. Da das in regelmäßigen Abständen passiert, habe ich glücklicherweise einen Ersatz an Bord.
GPS-Daten vom Übernachtungsplatz bei Maillat laut TomTom: N 46°07.413‘ E 5°32.294‘
Unter Verzicht auf die übliche Duschprozedur rollten wir nach dem Frühstück durch den Ort Maillat auf die A40 Richtung Lyon. Es war nebelig und frostig kalt. Vor Lyon hinter der letzten Autobahnzahlstelle nahmen wir die Abfahrt zu einem ausgeschilderten Centre Commercial. Schon von der Autobahn aus haben wir gesehen, dass es dort einen Leclerc mit Tankstelle gibt, von dem wir erhofften, dass dort der Diesel nicht 1,39 € wie auf der Autobahn kostet. Und wir wurden nicht enttäuscht, wir konnten für 1,24 € tanken. Allerdings wurde uns die Zufahrt zu den Zapfsäulen insofern erschwert, als die mit 3,40 m angegebene Durchfahrtshöhe nicht zutreffend war. Wir streiften an einer an Ketten aufgehängten Eisenstange, die hoffentlich keinen Schaden an unserem Parabolspiegel angerichtet hat.
Ohne Wetterbesserung fuhren wir anschließend bis nach Aigues-Mortes, wo wir uns auf einem sandigen gebührenpflichtigen Großparkplatz ohne Strom und Versorgungsmöglichkeit niederließen. Bei Einbruch der Dunkelheit spazierten wir durch die Tore und Gassen von Aigues Mortes. Außerhalb der Saison und dann auch noch bei einer solchen Witterung wie heute wirkt selbst ein Touristenmagnet wie Aigues-Mortes etwas trostlos und leblos. Im Mittelalter wurde Aigues-Mortes als Hafenstadt angelegt. Heute liegt es durch die Verlandung der Flachwasserzone etwa sechs Kilometer vom Meer entfernt. Auf dem Wasserweg ist die Stadt aber nach wie vor über eine schiffbare Verbindung zwischen der Rhône und der Stadt Sète erreichbar, nämlich über den Canal du Rhône à Sète, von dem aus man sogar in den Canal du Midi gelangt.
Bei der Abfahrt erlebten wir insofern eine Überraschung, als die Schranke für die Ausfahrt offen stand, und die Übernachtung somit nichts gekostet hat. Die WoMo-Fahrer hat es gefreut. Bei bedecktem Himmel, der nicht zum Fotografieren animierte, fuhren wir durch die Camargue bis Montpellier. Unterwegs sahen wir alles, was die Camargue so zu bieten hat, von den Flamingos über die weißen Pferde bis hin zu den schwarzem Stieren. In Montpellier-Lattes kauften wir ein bei Lidl und tankten bei Carrefour. Auf dem Parkplatz vom Lidl tauschten wir den abgebrochenen Hebel der Thetford-Cassette aus, eine recht umständliche Aktion, weil man nur mit Hilfe eines Spiegels zwei kleine Schrauben raus- und hinterher wieder reindrehen konnte. Danach ging es weiter über die Autobahn. Zum Entsorgen gibt es an der Autobahn ausgewiesene Anlagen, die sich aber außerhalb der Saison in einem miserablen Zustand befanden und teilweise nicht benutzt werden konnten. Erst nach mehreren Versuchen waren wir komplett versorgt und entsorgt. Bei sehr starkem Wind und nach Regen erreichten wir bei bedecktem Himmel den Campingplatz S‘Abanell in Blanes am Meer. Nicht nur wegen des günstigen Preises von 13,50 EURO/Nacht inclusive Strom war der Campingplatz ein Glücksfall, denn der Platz besticht auch durch seine Lage direkt an der Strandpromenade. Den Campingplatz und den Strand trennt zwar eine Uferstraße (Einbahnstraße), aber die ist jedenfalls im Winterhalbjahr kaum befahren, so dass wir als empfindlich bekannte Wohnmobilisten den Platz als ruhig bezeichnen können. Die Sanitäranlagen waren sauber, aber leider nicht beheizt. Trotzdem haben wir das Duschen
außerhalb des WoMos genossen.
GPS-Daten vom Campingplatz in Blanes laut TomTom: N 41°39.799‘ E 2°46.982‘
Heute erlebten wir den ersten wirklich angenehmen Tag mit Sonne und klarem Himmel. Die hügelige Landschaft präsentierte sich frühlingshaft bunt mit blühenden Mimosen und Mandelbäumen. Um Barcelona herum nahm der Verkehr stark zu, ebenso der Wind, der sich unangenehm als starker Seiten- und Gegenwind bemerkbar machte. Gegen Abend verließen wir bei Benicarlo die Autobahn und steuerten in Peniscola gezielt die Carrer de Murcia an, eine Sackgasse zwischen Hotels ganz in Strandnähe. Den Platz kannten wir von unserer Reise nach Marokko bzw. zurück von Marokko im Jahr 2009. Der Platz enttäuschte uns auch dieses Mal nicht. Bevor wir uns am erwähnten Platz niederließen, spendierten wir dem WoMo eine flüchtige Wäsche mit einem Dampfstrahler.
Auch heute waren die Sonne und ein stürmischer Wind unsere ständigen Begleiter. Die Fahrerei gegen die Sonne und gegen den Wind ging uns so langsam auf den Zeiger. Auch die Suche nach Wasser für unseren Frischwassertank wurde zum Problem, denn an der Autobahn gab es keine Tankstellen mehr mit Ent- und Versorgungsstationen, wie es weiter östlich noch der Fall war. Daher scheint es mir erwähnenswert, eine Tankstelle bei La Mojonera mit GPS-Daten anzugeben. Einen Schlauch kann man dort allerdings nicht anschließen, aber mit einer Gießkanne kommt man gut zurecht, zumal man mit dem WoMo direkt vor der Wasserstelle parken kann.
GPS-Daten von einer Wasserzapfstelle an der AB: N 36°47.786‘ W 2°41.217‘
Über Valencia und Alicante ging es nun weiter bis zu den Salinas de San Pedro del Pinatar. Übernachtet haben wir auf dem Parkplatz bei den Salinas. Verbote für WoMos konnten wir nicht entdecken. Vom Parkplatz aus konnte man in den Gewässern Flamingos gründeln sehen. Bevor es dunkel wurde, machten wir einen kleinen Spaziergang ans Meer.
GPS-Daten vom Übernachtungsplatz San Pedro del Pinatar: N 37°49.403‘ W 0°45.663‘
Über Almeria und Motril ging es nun flott weiter bis Torrox. Wir fuhren nahezu durchweg im Gegenlicht. Zum ersten Mal knallten Insekten gegen die Windschutzscheibe. Vorbei an Orangenplantagen und Gewächshäusern trudelten wir in Torrox ein, wo wir uns zu einer Ansammlung von Wohnmobilen gesellten. Nach einem Abendspaziergang an der schönen Promenade kehrten wir zurück zum WoMo, wo aus dem Tal zum Meer ziehender Rauch die Luft verpestete. Da wurde irgendwo Gestrüpp verbrannt. Doch das war noch nicht alles. Der neben uns stehende Engländer ließ den Motor seines WoMos laufen, um seine leere Aufbaubatterie aufzuladen.
GPS-Daten vom Übernachtungsplatz Torrox: N 36°43.626‘ W 3°57.384‘
Wegen des beißenden Rauchs hatten wir eine schlechte Nacht. Hinzu kam, dass der Engländer schon wieder mit seinem laufenden Motor nervt. Da bleibt einem nur die Flucht. Auf der Autobahn herrschte dichter Verkehr, der vor allem um und durch Sevilla fast schon chaotisch war mit durch Baustellen bedingten Engpässen und Staus. Dafür entschädigte uns später die schöne Landschaft mit gepflegten Olivenplantagen auf roter Erde. Gegen Abend erreichten wir den Ort Estombar bei Portimao. Dort schauten wir uns nach einer Übernachtungsmöglichkeit um. Am Ortsrand von Estombar, auf einem Parkplatz in der Nähe eines Naturreservates mit Wasservögeln und Flamingos, blieben wir dann stehen.
GPS-Daten vom Übernachtungsplatz Estombar bei Portimao: N 37°08.841‘ W 8°30.186‘
Nach einer erträglichen Nacht wurden wir bei Windstille mit Sonne pur überrascht. In Portimao haben wir als erstes den Hafen gesucht, den wir mangels Ausschilderung nicht auf Anhieb gefunden haben. Auch unser TomTom ließ uns da im Stich, weil er mit der Eingabe Puerto nichts anfangen konnte. Wir hätten ihn nach dem Porto Comercial suchen lassen sollen. So fragten wir uns halt durch. Dort angekommen, lösten wir unsere zuhause ausgedruckten Tickets gegen Fahrscheine ein.
GPS-Daten vom Porto Comercial von Portimao: N 37°07.659‘ W 8°31.846‘
In der sich direkt neben dem Hafen befindenden Marina vermuteten wir eine Lavanderia. Und geradezu wunschgerecht standen dort doch tatsächlich Miele-Waschmaschinen und Trockner in einem sauberen frei zugänglichen Raum und spekulierten nur darauf, von uns bedient zu werden. Die einzuwerfenden Münzen waren schnell an der Rezeption gekauft, und kurz darauf drehten sich die Waschtrommeln.
GPS-Daten von der Lavanderia in der Marina von Portimao: N 37°07.315‘ W 8°31.588‘
Während die Waschmaschinen arbeiteten, erkundigten wir uns in der Marina nach einer Tankstelle mit Autogas (LPG). Ein Engländer erklärte uns den Weg, und das so perfekt, dass wir problemlos dorthin gefunden und unsere Gastankflaschen befüllen konnten.
GPS-Daten von einer Autogas-Tankstelle in Portimao: N 37°08.986‘ W 8°32.374‘
Danach erledigten wir bei dem an der Strecke liegenden Lidl unsere Einkäufe. Mittlerweile war das Waschprogramm beendet, und nun waren die Trockner an der Reihe, die Waschprozedur zu vollenden. Der Übernachtungsplatz mit Ver- und Entsorgungsmöglichkeit, aber ohne Strom, lag in Sichtweite. Wir rollten hin und sahen uns um. Bei den zahlreichen Wohnmobilen mit bereit stehendem Generator wollten wir uns nicht platzieren, und stellten uns etwas abseits, wo wir gleich mit der bangen Frage begrüßt wurden, ob wir ein Aggregat haben.
Nach dem Abendessen machten wir noch einen Spaziergang durch die Marina bis zur Mole. Auf dem Rückweg trafen wir ein Ehepaar aus Eriskirch-Mariabrunn mit einem RMB, mit dem wir uns intensiv unterhalten haben. Nach der Rückkehr ins WoMo war Fernsehen an der Reihe, denn ich musste unbedingt die Spielergebnisse der Bundesliga erfahren, wobei mich am meisten gefreut hat, dass der VFB mit 3:2 bei MGLB gewonnen hat.
GPS-Daten vom Übernachtungsplatz Portimao: N 37°07.275‘ W 8°31.751‘
Am Morgen beim Aufstehen haben wir die Ankunft unseres Schiffes hören und auch sehen können. Nachdem wir alles gepackt hatten, was wir mit in die Kabine nehmen wollten, fuhren wir um 10 Uhr in den Hafen, wo die „Volcan de Tijarafe“ bereits auf uns wartete. Die Abfahrt ist für 13 Uhr vorgesehen.
Hier endet nun die Anreise und die Überfahrt nach Teneriffa beginnt. Wer die Überfahrt über Madeira mit Aufenthalt in Funchal bis nach Santa Cruz de Tenerife miterleben möchte, schaut sich am besten den nächsten Bericht an. Wir laden Sie herzlich dazu ein.

http://www.rolf-rieber-unterwegs.com

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